Turnsaal Sarleinsbach

Sarleinsbach 2025

Ausgangslage

Der bestehende Turnsaal wurde erneuert. Die Akustik in diesem Turnsaal war sehr schlecht, was im Unterricht zu starker Lärmentwicklung und einer unzureichenden Hörsamkeit führte. Der Turnsaal sollte nach dem Umbau a) den akustischen Kriterien für Unterricht entsprechen und b) mit verbesserter Akustik sollten auch Musikveranstaltungen und Musikprobe möglich werden. Gelegentliche Lesungen und Bälle, das war der Wunsch des Auftraggebers, sollten ebenfalls im neuen Turnsaal stattfinden.

Herausforderung

Die Aufgabenstellung war schwierig, weil die Anforderungen Turnsaalbetrieb einerseits und Musikveranstaltungen andererseits in akustischer Hinsicht etwas widersprüchlich sind. Beim Turnsaalbetrieb ist eine möglichst hohe Schallabsorption erwünscht, bei der Musik gibt es hingegen ein Optimum an Schallabsorption. Ein Zuviel an Absorption würde die Töne dumpf machen – und die akustische Qualität des Raumes würde sich verschlechtern. Beim Turnsaalbetrieb sind etwa 30 Personen anwesend (bei Sportveranstaltungen vielleicht 50), bei Musikveranstaltungen sind bei Vollbesetzung 350 Personen (mit Musikern) anwesend. Das verschärft die beschriebene Problematik zusätzlich. Weitere Herausforderungen waren gewisse Vorgaben aufgrund des Turnsaalbetriebes (akustische Kopplung mit Nebenräumen, z.B. Geräteräumen oder Nischen).

Lösung

Die Lösung war eine optimierte Mischung aus schallabsorbierenden und schallreflektierenden bzw. schallstreuenden Flächen.
Die Decke besteht aus Holzlatten (Fichte, mit optimierten Werten für Breite, Höhe und Abstand voneinander). Der Deckenhohlraum und die Hinterlegung beeinflussen die Schallabsorption am stärksten. Es wurde jedoch nicht die gesamte Decke schallabsorbierend ausgeführt, sondern ein Teil der Decke wurde durch konstruktive Maßnahmen zu einem Schallreflektor gemacht. Dadurch entstehen nützliche Reflexionen, die den Schall von der Bühne auch zu den rückwärtigen Sitzplätzen transportieren. Die konstruktiven Unterschiede zwischen schallabsorbierenden und schallreflektierenden Deckenbereichen sind von den Sitzplätzen aus nicht erkennbar. Zusätzlich kamen auch MAWI-Prallschutz-Elemente (absorbierend) und glatte Sperrholzplatten (reflektierend) zur Anwendung. Im Bereich der Musiker-Sitzplätze befinden sich Mikroabsorber an den Wänden. Mikroabsorber führen zu einer moderaten Schallabsorption, aber auch zu einer diffusen Reflexion. Letzteres ist für die gleichmäßige Schallverteilung im Raum positiv.

Ergebnis

Die Nachhallzeiten im Turnsaal sind räumlich sehr gleichmäßig verteilt. Sie sind aber auch über die Frequenzen annähernd gleichmäßig verteilt und betragen bei Musikveranstaltungen ca. 0,9 bis 1,3 s (350 Personen) und beim Turnunterricht im Mittel 1,5 s (30 Personen). Eine gewisse Flexibilität beim Einstellen der Akustik ergibt sich durch den Bühnenraum, der geschlossen oder geöffnet werden kann.

Die Nachhallzeiten wurden gegenüber dem Zustand vor dem Umbau beinahe halbiert. Der Turnsaal entspricht nun akustischen Kriterien nach einschlägigen Regelwerken.

Bei der Musik gibt es neben frequenzabhängigen Nachhallzeiten noch zwei weitere wichtige Kenngrößen: das Bassverhältnis und das Stärkemaß. Das Bassverhältnis bringt zum Ausdruck, ob ein gutes Verhältnis zwischen den Nachhallzeiten bei tiefen und bei mittleren Frequenzen vorliegt. Durch diesen Wert wird ausgedrückt, ob ein Raum ‚warm‘ und ‚voll‘ klingt. Gute Werte liegen bei 1,0 bis 1,3. Im Turnsaal beträgt das Bassverhältnis bei geöffneter Bühnenwand 1,3.
Das Stärkemaß beschreibt wie gut der Schall auch bei großer Entfernung zu den Schallquellen hörbar ist. Gute Werte liegen bei 10 bis 12 dB. Das Stärkemaß im Turnsaal beträgt 11 dB.

Mit dem Umbau des Turnsaals wurde die Akustik im Unterricht als auch bei Musikveranstaltungen stark verbessert.

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